Weltreise - Warum?

Es gibt viele Gruende, warum man eine Weltreise wagen sollte ...
  • Interesse und Begeisterung an neuem
  • Neue Herausforderungen suchen, sie bestehen und an ihnen wachsen
  • Die Vielfalt unserer Erde sehen und erleben
  • Fremde Kulturen und faszinierende Menschen kennenlernen
  • Reisen bildet und praegt die Persoenlichkeit
  • Auszeit vom bisherigen Leben bzw. Abstand gewinnen
  • Die Erkenntnis, dass das Leben viel zu kurz sein koennte
  • Die Seele baumeln lassen und sich (wieder) Zeit zum Nachdenken nehme
  • Um an Orte zu reisen, die nicht so einfach zu erreichen sind (fuer mich Kiribati)
  • Spirituelle Erfahrungen machen
  • ...

... aber jeder der schon einmal versucht hat, diesen Traum in die Realitaet umzusetzen, weiss, dass auch mindestens genauso viele Gruende dagegen sprechen und darum bleibt es bei den meisten einfach ein Traum: Arbeit, Wohnung, Karriereknick, Partnerschaften, Verpflichtungen, Aengste vor Krankheiten, Verlust des sozialen Umfelds, gewohntes Sicherheitsdenken, kaum mit langfristigen Verpflichtungen vereinbar und vieles mehr.

Bei mir sitzt der Gedanke, die Welt ueber einen laengeren Zeitraum zu bereisen, schon sehr lange im Hinterkopf. "Kurze" Reisen in einzelne Laender habe ich ja bereits immer wieder unternommen, aber den Weltreisevirus habe ich wohl waehrend eines Seminars im Fruehsommer 2009 durch spannende Erzaehlungen einer Seminar-Teilnehmerin eingefangen (Danke Johanna!).

Der Weg bis zur Entscheidung, diesen Gedanken auch wirklich - und alleine - zu realisieren, hat dann noch bis ca. Jaenner 2010 gedauert und dieser Weg war keineswegs ein gerader. Es hat immer wieder Momente gegeben, in denen ich aufgrund von Aengsten und Zweifel diesen Entschluss selbst in Frage gestellt habe.

Die eigentlichen Vorbereitungen haben dann etwa ein halbes Jahr vor dem Start begonnen, eigentlich ein sehr kurzer Zeitraum, weil es sich dabei mehr um "Projektmanagement" handelt, als um das Maerchen "ich packe meine sieben Sachen und ziehe los".



20.09.2010: meine Erwartungen/Gedanken, einen Tag vor der Abreise

Ausgeruestet mit einer "Padi Open Water Diver"-Theorieausbildung, einem internationalem Fuehrerschein, einem internationalen Impfausweis mit vielen frisch eingetragenen Impfungen, einer Reiseapotheke, die in manchen Laendern ein ganzes Spital versorgen koennte :-), vielen neuen Outdoor-Utensilien, einer neuen Fotoausruestung, einigen EDV-Automatisierungen, ... und vor allem viel Tatendrang starte ich meinen grossen Traum - myWeltreise!

Ich moechte einfach eine schoene Zeit erleben - vieles sehen, was ich bis jetzt noch nicht kenne - vieles erleben, dass ich bis jetzt noch nicht fuer moeglich gehalten habe - neue internationale Freundschaften schliessen und mich selbst neu kennenlernen. Ich empfinde die Tatsache, diese Reise starten zu koennen, als grosses Privileg.

Neben den vielen Erwartungen gibt es aber natuerlich auch Bedenken: Wie werden die Menschen auf mich reagieren, wo bin ich willkommen, wo wird mir Misstrauen/Abneigung entgegengebracht werden? Spielen meine Gesundheit und das Wetter mit, werde ich die vielen kleinen Gefahren des Lebens abseits der gewohnten Sicherheit meistern? Wird der Spruch "Es gibt immer einen Weg, man muss ihn nur finden" wirklich immer aufgehen? Eine grobe Reiseroute habe ich ausgearbeitet, wohin mich der Weg aber genau fuehren wird, ist auch fuer mich noch eine Ueberraschung ...



Mein Resumee nach myWeltreise

20.09.2010 Ich bin selbst schon sehr gespannt, was ich dann schreiben werde ;-)

17.08.2011 genau ein Monat nach meiner Ankunft in Wien: Obwohl ich wieder in meinem gewohnten Umfeld gelandet bin, ist die Rueckkehr ins "normale" Leben viel schwieriger als erwartet. 10 Monate selbstbestimmtes Reisen hat mich gepraegt, derzeit fuehle ich mich so, als waere ich noch mehrere Zeitzonen westlich von Wien ...

21.09.2011 genau ein Jahr nach meiner Abreise zum grossen Abenteuer myWeltreise, moechte ich einige Erkenntnisse und Highlitghs meiner Reise zusammenfassen:

  • Pythagoras hatte Recht, die Welt ist eine Kugel - wenn man lange genug nach Osten reist, kommt man wieder an den Ausgangspunkt zurueck.
  • Wenn man dringend muss und kein WC in der Naehe ist, ist es weltweit Scheisse.
  • Reisefuehrer in Buchform haben ausgedient. Geraete, die aktuelles Kartenmaterial und Navigation, Location Based Information und Online-Reservierungen verarbeiten koennen, gehoert die Zukunft.
  • Je mehr ich mit unterschiedlichen Religionen in Kontakt komme, desto absurder erscheint mir der Gedanke an eine hoehere Instanz. Blinden Glauben und Rituale aus Gewohnheit lehne ich ab. Die Vermischung unterschiedlicher Religionen à la "best and easy of" zeigt deutlich die Wertigkeit.
  • Geld macht weder gluecklich noch zufrieden, aber um das vernuenftig erklaeren zu koennen, stehe ich auf der falschen Seite.
  • Abgesehen davon, dass es ein grosses Privileg ist, eine Weltreise ueberhaupt durchfuehren zu koennen, rueckt so ein Erlebnis das Weltbild wieder ins rechte Licht.
  • Seiner eigenen vorgefertigten Meinung zu entkommen ist schwer, man sucht eher die Bestaetigung als das Gegenteil.
  • Je laenger man von zu Hause weg ist, desto wichtiger werden gewohnte Dinge aus der Heimat. Eine Packung Manner-Schnitten oder der Livestream eines heimischen Radiosenders koennen wahre Stimmungswunder sein.
  • Armut, und vor allem die Konfrontation damit, war fuer mich oefters ein Problem - ueberhaupt wenn es die Schwaechsten der Gesellschaft betrifft - Kinder. Niemand kann sich aussuchen, wo er geboren wird, aber jeder sollte eine faire Chance im Leben bekommen.
  • Meine spontane Art der Reisegestaltung waere ohne Internet nicht moeglich gewesen.

Die von mir meist gehasste Frage ist: Was hat dir am besten gefallen? So was kann man natuerlich nach einer 10-monatigen Reise mit so vielen Eindruecken und Erlebnissen nicht beantworten, aber ich moechte hier einige Top-Kategorien praesentieren:

Top-Bauwerke
  • Sydney Opera House: Auch bei meinem 4. Besuch in der australischen Hauptstadt hat dieses Gebaeude eine magische Anziehung auf mich ausgeuebt.
    Jeder Blickwinkel - aus der Luft, vom Wasser, 1 Meter od. 1 km entfernt - egal zu welcher Tages-- oder Nachtzeit ist ein spannendes fotografisches Erlebnis. Ich komme an diesem Bauwerk nicht vorbei, ohne den Ausloeser zu druecken. 50% meiner Zeit in Sydney habe ich dort verbracht, sogar die Security Leute haben mich schon gegruesst :-) und sowohl die Anzahl als auch die (technische) Qualitaet meiner Fotos sind ein eindeutiger Indikator: Dieses Bauwerk ist fuer mich das Schoenste dieser Welt!
  • Tempelanlagen in Angkor: mystisch und faszinierend - Top-Location fuer Panoramabilder.
  • Diesen Platz teilen sich meine 2 besten Schlafstaetten: eine strohgedeckte Pfahlbauhuette in Kiribati mit Meeresrauschen als Einschlafmusik und das Marina Bay Sands in Singapore mit dem Swimmingpool am Dach. Unterschiedlicher koennten Bauwerke gar nicht sein, eines haben sie aber auf jeden Fall gemeinsam: Ich habe mich dort extrem wohl gefuehlt.
Top-Landschaften
  • Kiribati: Nie werde ich den unbeschreiblich schoenen Ausblick auf das Hauptatoll bei meinem ersten Anflug auf Tarawa vergessen … das Dunkelblau des unendlich weit erscheinenden Suedpazifiks, eine tuerkisfarbene Lagune, umschlossen von einem Korallenriff mit unglaublich vielen Kokospalmen ... nie war ich dem Gedanken an das Paradies naeher! Leider ein Paradies mit Ablaufdatum, wenn man den Klimatologen Glauben schenkt, aber ich hoffe trotzdem, dass auch meine Kinder noch diesen Anblick geniessen duerfen.
  • Tasmanien: Viele naturbelassene Landschaften und Nationalparks, eine unglaublich hohe Anzahl an endemischen Arten in der Pflanzen- und Tierwelt vermitteln oft das Gefuehl, mehrere tausend Jahre in die Vergangenheit gereist zu sein. Hoffentlich bleibt dieser ganz besondere Fleck unserer Erde fuer kuenftige Generationen so erhalten.
  • Nordvietnam: So reizvoll der Sueden mit seinen Straenden und dem Mekong-Delta auch ist, die Gebirgslandschaften im Norden mit den ethnischen Minderheiten und das Delta des Roten Flusses haben mich noch mehr fasziniert.
Top-Staedte
  • Singapore: Der Wunsch, unbedingt mit dem Schiff nach Australien zu fahren, hat mich in diesen Stadtstaat gefuehrt - und wie soll sich sagen - es war Liebe auf den ersten Blick. Die schoenste, sauberste und sicherste Stadt, die ich je erlebt habe und Staedteplaner aus der ganzen Welt koennen hier lernen, wie multikulturelles Zusammenleben in der Praxis wirklich funktioniert. Sogar das Shoppingfieber hat mich dort ein wenig angesteckt und das Chinesische Neujahrsfest in dieser Stadt war ein absoluter Traum.
  • Hanoi: Diese alte, quirlige, kommunistische Stadt versprueht ein ganz besonderes Flair. Koestliches Essen, nette (und vor allem auch sehr attraktive) Menschen, sowie eine unglaubliche Anzahl an Motorraedern haben mich sehr beeindruckt. Mein Tipp: Ein Restaurant am Strassenrand aufsuchen und das Menschen-Motorradtreiben beobachten...spannender als TV!
  • Sydney: Der einzige Ort meiner Weltreise, wo ich ohne Karte unterwegs war. Ich wuerde diese geographisch sehr guenstig gelegene Stadt als modern und hip bezeichnen und sie hat etwas, was vielen anderen Staedten fehlt: ein wirklich praegendes Wahrzeichen ... das Sydney Opera House!
Top-Erlebnisse
  • Ankunft in Kiribati: Seit der Eroeffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele am 13. August 2004 war Kiribati meine Traumdestination. Gerade weil dieses (Reise-)Ziel so schwer zu erreichen ist, war die Ankunft am 24. Mai 2011 ein besonders erhebender Moment auf meiner Weltreise.
  • Vipassana Meditation: Wohl eine der haertesten Erfahrungen meines Lebens ueberhaupt, die ich aber um nichts in der Welt missen moechte. Neben der Erfahrung, dass man sich auch nur auf sich selbst konzentrieren kann, habe ich in den ca. 110 Stunden Meditation auch ueber mein halbes Leben nachgedacht. Die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind, habe ich wohl nur teilweise geschafft, aber ich bin sehr stolz auf mich, durchgehalten zu haben und weiss, dass ich das irgendwann einmal wiederholen moechte. Nebenbei bin ich den Menschen in Sri Lanka viel naeher gekommen als anderen auf meiner Reise.
  • Tierwelt in Australien: Egal ob an Land oder 30 Meter unter der Meeresoberflaeche, die australische Tierwelt ist gefaehrlich und faszinierend zugleich: gigantische Manta Rays aus wenigen Metern Entfernung, giftige Schlangen aus groesserer Entfernung (und unerkannterweise wohl oft sehr nahe), Koalas in ihrem natuerlichen Lebensraum, Kaenguru-Babys im Beutel, Shark Feeding am Great Barrier Reef, die letzten Bestaende des Tasmanischen Teufels, ... das kannte ich bis zu meiner Weltreise nur von Fotos, es in natura gesehen und erlebt zu haben, ist aber was ganz Anderes.
Top-Fortbewegungsmittel
  • ...oder es muss nicht immer ein Flugzeug sein...
  • Zug: Ob ca. 8.000km mit der Transsibirischen/mongolischen Eisenbahn, oder einige tausend km Zugfahrt in Australien, es gibt kaum besseres, um seine Reise zu entschleunigen. Stundenlanges betrachten der vorbeirollenden Landschaft ist viel spannender als man glaubt.
  • Schiff: Eigentlich hatte ich eher eine Reise auf einem Containerschiff im Hinterkopf, aber sowas muss man viel laenger vorplanen. Meine Kreuzfahrtschiffreise von Singapore nach Fremantle mit meinen 50+ Damen war trotzdem ein besonderes Erlebnis - Bingo, Boogie und Tony Christie mit "Is This the Way to Amarillo" werde ich nie vergessen.
  • Campervan: Wie schon in Neuseeland habe ich auch in Tasmanien wieder einen Campervan gemietet und wie damals war die Rueckgabe beim Vermieter ein schwerer Moment. Generell bin ich weniger der Campingtyp, aber die Freiheit auf 4 Raedern geniessen, durch unglaublich schoene Landschaft cruisen und einfach 2 Wochen ein eigenes "zu Hause" zu haben war was ganz Besonderes.
Top-Ausruestung
  • Handy (Sony Ericssson XPERA 10 mini): Wurde selten als Handy erkannt, daher auch recht sicher und hat folgende Funktionen erfuellt: offline Map und GPS, offline Woerterbuch, Taschenlampe, Musik Player, Notizzettel, Backup fuer Reisedokumente, SMS, E-Mail/Webbrowser (wenn der Laptop gerade nicht zur Hand war).
  • Trolley Osprey Sojourn: War schon auf meiner Japanreise mein treuer Begleiter. Sehr praktisch, weil das vollwaertige Tragesystem als Rucksack auch wirklich funktioniert, obwohl ich zu 95% nur "gerollt" habe.
  • Schuhe: a) Salomon Xa Pro 3D Ultra 2 bei langen Wanderungen und Stadttouren - leicht, komfortabel und bietet doch den noetigen Halt. b) Crocs - weil sie einfach *extrem* praktisch und pflegeleicht sind.
  • In dieser Kategorie moechte ich auch das sinnloseste Teil anfuehren, das ich 10 Monate mitgeschleppt habe: Ein schweres 33-teiliges Schweizermesser, das ansich ja sehr gut sein mag, aber ausser der Schere und einer Klinge habe ich nichts benoetigt und bei einigen Funktionen bin ich mir nicht einmal sicher, wofuer man sie eigentlich brauchen koennte.